Lerne dich selbst besser kennen!

‚Dir stehen später alle Türen offen!‘ Diesen Satz haben sicher schon einige Jugendliche und Studierende von ihren Eltern gehört. Es ist vielleicht beruhigend zu wissen, dass man heutzutage viele Möglichkeiten zur persönlichen beruflichen Entfaltung hat, einfacher macht es die Entscheidung allerdings nicht- im Gegenteil! In einer immer spezifischer werdenden Arbeitswelt mit verwirrenden Berufsbezeichnungen ist es manchmal gar nicht so einfach zu wissen, was man will. Gerade nach dem Studium prasseln die Möglichkeiten des Arbeitsmarkts gerade zu auf einen ein. Für einen Berufseinsteiger schwierig zu differenzieren und schwierig zu beleuchten. Es stellt sich zwangsläufig jeder Absolvent die Frage: Was will ich? Und noch viel wichtiger: Wie finde ich das überhaupt heraus?

Dies scheint nicht nur Studierende zu betreffen, sondern ebenso Berufstätige. Die Arbeitszufriedenheitsstudie 2018 zeigt, dass ca. 50% der Arbeitnehmer unzufrieden in ihrem Job sind und diesen bei nächster Gelegenheit kündigen würden. Einen Job ‚machen‘ und einen Job ‚wollen‘ scheint also ein gewaltiger Unterschied zu sein.

Viele Ratgeber setzen bei den persönlichen Interessen bei der Suche nach dem richtigen Job an. Auch hier gibt es den altbekannten Satz: ‚Mach was du liebst, und du wirst nie wieder einen Tag arbeiten müssen‘. Erfolg im Job stellt sich aber nicht automatisch ein, nur weil jemand sich persönlich für sein Arbeitsumfeld interessiert. Studien haben gezeigt, dass die Neigung und die Eignung nur einen statistisch schwachen Zusammenhang aufweisen. Das Interesse und das Können eines Berufs klaffen bei über einem Drittel der Berufstätigen demnach erheblich auseinander. Aljoscha Neubauer schreibt in seinem Buch über dieses Phänomen und spricht sich dafür aus, die bisherige Einstellung von ‚Mach was du willst‘ in ‚Mach was du kannst‘ abzuändern.

Zufriedenheit im Job stellt sich jedoch nur mit beiden Komponenten ein. Was bringt es, wenn ich einen Job gut kann, aber mich überhaupt nicht für ihn interessiere. Das Gegenteil ist auch nicht erfüllender. Sich für einen Job zu interessieren, ihn aber nicht gut meistern zu können, ist auf Dauer auch keine nachhaltige Lösung. Denn es birgt eine weitere Schwierigkeit. Es gilt nun nicht nur herauszufinden, was man will, sondern auch was man kann. Hierbei geht es nicht um das Erlernen von Kompetenzen wie ‚Powerpoint Skills‘ sondern um objektive Stärken, Schwächen und Werte, die sich in der Persönlichkeit eines jeden Menschen manifestieren.

Mit Persönlichkeitsverfahren können die beruflichen Stärken, Schwächen und Werte erhoben werden. Daraus lässt sich treffsicher ableiten, wo die individuellen Potenziale liegen sowie die Motivatoren und Antreiber, um einen Beruf nicht nur gut zu machen, sondern auch zu wollen. Dies ist der Grundstein für ein zufriedenes Arbeitsleben.

Sowohl für Studierende, die in das Berufsleben einsteigen möchten, sowie für die (zu) vielen unzufriedenen Berufstätigen, können wir die Ratschläge wie „Mach was du willst“ oder „Mach was du kannst“ also in einen neuen Ratschlag umformulieren: „Lerne dich selbst besser kennen!“.

Und wie könnte das besser geschehen, als mit einer gezielten Reflektion mit der eigenen Persönlichkeit!

 

 

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