Bescheidene Führung als Erfolgsfaktor in der Digitalisierung

‚Männer fühlen sich besser auf die Zukunft der Arbeit vorbereitet als Frauen!‘. Aber wieso eigentlich und ist das wirklich so? Haben nicht vor allem Frauen in der Digitalisierung bessere Chancen, weil sie bescheidener sind?

Ganz langsam- wir fangen nochmal von vorne an. Digitalisierung, das ist ein omnipräsentes, sehr weit greifendes Wort. Für viele ist es schwer zu fassen und hat irgendetwas mit Technik zu tun. Stimmt, mit der Digitalisierung ist die Umwandlung von ‚analogen Werten‘ und die Ergänzung von Prozessen, Ereignissen oder Objekten durch digitale Geräte sowie die Automatisierung (Digitalisierung) von Arbeitsschritten gemeint. Teil davon ist sicherlich die Nutzung digitaler Programme, im HR Bereich zum Beispiel die Einführung von SAP Success Factors. Zum anderen bedeutet Digitalisierung eine Transformation des Unternehmens, eine tiefgreifende Veränderung der Art des Arbeitens, der Kommunikation, der bestehenden Arbeitsprozesse. Eine Veränderung, die Arbeitsplätze reduziert und neue hervorbringt. Doch sie bedeutet vor allem viel Unsicherheit für Mitarbeiter/innen und Führungskräfte. Unsicherheit, weil man sich aus seiner Komfortzone begeben muss, um Neues zu lernen und sich verändern muss. Denn: Die Märkte bieten immer weniger Stabilität und fordern Unternehmen, wenn sie langfristig überleben möchten, dazu auf, dynamisch zu sein. Sie müssen der zunehmenden Komplexität gerecht werden. Märkte innovieren heute ganze dreimal schneller als noch vor einem Jahrzehnt. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Nun aber zurück zu Frau und Mann: Es wird behauptet, dass die Skepsis von Frauen gegenüber der Digitalisierung dadurch zu erklären sei, dass sie einen geringeren ‚Bezug zu Trends wie Automatisierung, Robotik und künstlicher Intelligenz‘ hätten. So erwarteten rund 58% der Frauen negative Folgen durch Automatisierungen. 60% der Männer hingegen erwarteten positive Ergebnisse. Hier scheint noch einiges an Aufholarbeit zu leisten zu sein.

Doch wer hat die besseren Kompetenzen, wenn es darum geht, Mitarbeiter/innen durch den Change-Prozess zu führen? Hier haben vor allem bescheidene Führungskräfte die Nase vorn. Mit ‚Bescheidenheit‘ ist hierbei nicht die Bescheidenheit im herkömmlichen Sinne gemeint, sondern die Fähigkeit als Führungskraft zuzugeben, nicht alles zu wissen. Die Hauptaufgabe einer Führungskraft ist schließlich das ‚Führen‘. Bescheidene Führungskräfte arbeiten für den Erfolg des Unternehmens, charismatische Führungskräfte und noch schlimmer- Narzissten- arbeiten für den eigenen Erfolg. Bescheidene Führungskräfte stellen sich hinter ihr Team und agieren als Coach. Somit haben sie besonders gute Voraussetzungen die Digitalisierung im eigenen Unternehmen voranzutreiben und ihr Team auf dem Weg der Veränderung zu begleiten. Und- Überraschung: Frauen agieren bescheidener! Dies haben vor allem die Ergebnisse von 360 Grad Verfahren ergeben, die aufzeigen, dass Frauen in ihrem Verhalten bescheidener sind. Unbestritten ist, dass Charisma Bescheidenheit aktuell auf dem Weg nach oben auf der Karriereleiter schlägt. Die Frage ist: Wie lange noch?

 
Katharina Placke
Beraterin @metaBeratung
 
 
 
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